Philosophische
Praxis

Philosophische Einzelberatung

 

Deutlich heben sich in unserer Erinnerung die wenigen Gespräche hervor, die wir in den Jahren der Routine und der Sünde mit verwandten Seelen führten, die uns weiser machten; die sprachen, was wir dachten; die uns sagten was wir wussten; die uns erlaubten, das zu sein, was wir innerlich waren.“

 

Ralph Waldo Emerson, Rede vor der Divinity School 1838

 

 

Die Einzelberatung kann als das Herzstück der Philosophischen Praxis angesehen werden. Dass hier jemand jemanden berät, könnte missverständlich aufgefasst werden. Dies ist eigentlich auch nicht der Fall. Schon eher verhält es sich so, dass der Gast in Anwesenheit des Philosophischen Praktikers mit sich selbst zu Rate geht. Der Philosophische Praktiker ist der aufmerksame Zuhörer, der darin geübt und geschult sein sollte, das Gesagte zu paraphrasieren und zu amplifizieren. Amplifikation meint die Erweiterung,  Ausweitung und tiefenhermeneutische Deutung des Gesagten.

 

Die entscheidende Grundhaltung ist auf Seiten des Philosophischen Praktikers, dass er das Gesagte genau so aufzufassen bemüht ist, wie es gemeint ist. Hier liegt der Hauptunterschied zu jeglicher Fachberatung, die das Gesagte immer so aussiebt, wie es in das jeweilige Fach seiner theoretischen Konzeption entsprechend passt. So gesehen geht es in der Philosophischen Praxis um eine Rehabilitation der Singularität vor jeglichem theoretischem Zugriff.

 

Daher ist es auch nicht so leicht, das Einzelgespräch auf einen allgemeinen Begriff zu bringen. Man kann aber generell sagen, dass diese Gespräche eine große Ähnlichkeit mit dem Verfassen eines Romans im besten Sinne haben. Ich meine hier jenen Roman, der in eins mit dem Erzählen der Geschichte eine ganze Welt aufzeigt.

 

Im Verlauf der Gespräche in der Philosophischen Praxis  passiert oft etwas dem Roman Ähnliches, Vergleichbares. Bruchstücke und Fragmente des Gelebten, Erlebten und Gedachten fügen sich im geschützten, abgeschiedenen Raum des Gesprächs zu einer konsistenten, erzählbaren Lebensgeschichte, die einen roten Faden bekommt und so zu einem zustimmungswürdigen, der Bejahung fähigem Leben transformiert wird.